Zeitungsartikel Resultate Gemeinderatswahlen Freiburger Nachrichten vom 26.09.2016

Der neunköp­fige Gemein­der­at der bald fusion­ierten Gemeinde Plaf­feien ist seit gestern gewählt: Drei Sitze gehen an die CVP, drei an die Liste SVP und Parteilose, zwei an die Talschaft Schwarzsee und ein­er an die Liste Houzschrötler.

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Nach einem inten­siv­en Wahlkampf in Plaf­feien, Ober­schrot und Zumholz herrschte gestern Nach­mit­tag auf der Ter­rasse des Hotels Alpen­klub in Plaf­feien eine kol­le­giale Stim­mung. Die Bevölkerung der drei Sense-Ober­land-Gemein­den hat­te soeben die neunköp­fige Exeku­tive der fusion­ierten Gemeinde Plaf­feien gewählt – Gewählte und Nicht­gewählte stiessen gemein­sam darauf an. Otto Lötsch­er, langjähriger Ammann von Plaf­feien und Ini­tiant des Fusion­sprozess­es, wurde mit 418 Stim­men – dem besten Resul­tat aller 22 Kan­di­dieren­den – wiedergewählt. «Ich bin über­aus glück­lich und auch über­rascht von diesem guten Resul­tat», sagt er den FN. Seine Grup­pierung, die Talschaft Schwarzsee, erre­ichte ihr Ziel von zwei Sitzen, da auch Bruno Zbinden (bish­er) wiedergewählt wurde. Die Talschaft Schwarzsee war in Plaf­feien zusam­men mit den Freien Wäh­lern ange­treten und erre­ichte einen Wäh­ler­an­teil von 50,5 Prozent. Auf ihrer Liste nicht wiedergewählt wur­den die Gemein­deräte Andreas Stalder und Anne-Marie Von­lan­then. «Ich habe damit gerech­net, dass ich in Konkur­renz zu Bruno Zbinden ste­he und mag ihm seine Wahl von Herzen gön­nen», sagt Andreas Stalder, der nur 24 Stim­men weniger erhielt als Zbinden. Ihm sei wichtig, dass der Syn­dic Otto Lötsch­er gestärkt wor­den sei. Nun werde er sich voll für die kan­tonalen Wahlen ein­set­zen, sagte der Ober­amts- und Gross­ratskan­di­dat der Freien Wäh­ler.

Eine Frau und acht Män­ner

Das zweitbeste Resul­tat erre­ichte Daniel Bürdel (CVP, Plaf­feien). Die CVP holte in Plaf­feien einen Sitz und in Ober­schrot zwei. «Wir hät­ten gerne auch in Plaf­feien einen zweit­en Sitz geholt, aber die Kon­stel­la­tion mit der starken Talschaft war schwierig», so Bürdel, der mit seinem per­sön­lichen Resul­tat sehr zufrieden ist. Drei Sitze für die CVP, drei für die SVP, zwei für die Talschaft und ein­er für die Houzschrötler: Diese Kon­stel­la­tion im Gemein­der­at des fusion­ierten Plaf­feien ist in den Augen von Daniel Bürdel aus­geglichen. «Nie­mand dominiert», so der CVP-Gross­rat. Für ihn sei beson­ders wichtig, dass der Gemein­der­at am 1. Jan­u­ar 2017 pos­i­tiv in die neue Leg­is­latur starten könne. Für die CVP haben in Ober­schrot der amtierende Syn­dic Armin Jun­go und Gemein­derätin Antoinette Kilchör-Krat­tinger die Wieder­wahl geschafft. Antoinette Kilchör-Krat­tinger ist die einzige Frau im neuen Gremi­um. Sechs Frauen – davon zwei bish­erige – hat­ten sich als Kan­di­datin­nen zur Ver­fü­gung gestellt. Für Antoinette Kilchör wird es eine unge­wohnte Sit­u­a­tion sein, denn im Rat ihrer «alten» Gemeinde hat­ten die Frauen die Ober­hand. «Frauen sehen eine Sache manch­mal anders und reden anders miteinan­der», sagt sie dazu. Sie freue sich, dass sie gewählt wor­den sei. Sie sei sich aber auch bewusst, dass viel Arbeit auf den Gemein­der­at warte.

SVP dank Pro­porz erfol­gre­ich

In Plaf­feien erre­ichte die CVP einen Wäh­ler­an­teil von gut 30 Prozent, die Liste SVP und Parteilose schaffte es auf 19,5 Prozent Wäh­ler­an­teil und holte sich damit einen Sitz: den von Gross­rat Alfons Piller (SVP, bish­er). Gemein­der­at Alfons Neuhaus schaffte die Wieder­wahl nicht. Er sei sehr zufrieden mit diesem Wahlaus­gang, so Alfons Piller: Drei Sitze habe die SVP ins­ge­samt angepeilt, und drei Sitze habe sie im neuen Gemein­der­at auch erre­icht: Aus Ober­schrot zieht Elmar Piller (neu) in den Gemein­der­at ein, aus Zumholz Francesco Moos­er (neu). Er sei auch erfreut, dass die SVP in allen drei Gemein­den mit ein­er Liste antreten kon­nte, so Piller weit­er. Er sehe dies als Vorar­beit für die Wahlen in fünf Jahren, wenn die Aus­gangslage wieder anders sei. Die SVP hat­te in allen drei Gemein­den die Pro­porz- anstelle der Majorzwahl beantragt. Diese Ver­hält­niswahl nach Parteien ist ihr nun zugutegekom­men: In Plaf­feien beispiel­sweise erre­icht­en fünf Kan­di­dat­en ander­er Parteien mehr Stim­men als der gewählte SVP-Vertreter Alfons Piller, sie schafften wegen der Pro­porz-Verteilung den Einzug in den Gemein­der­at aber nicht.

In Zumholz kon­nte Vize-Ammann Fritz Zbinden (Houzschrötler) seinen Sitz vertei­di­gen. Hinge­gen haben die Gemein­deräte Yvan Jun­go (Parteilose) und Alexan­dra Lehmann (Freie Wäh­ler) die Wieder­wahl nicht geschafft.

Die erste Bewährung­sprobe ste­ht bevor

Schon vor dem gestri­gen Tag war klar, dass es bei den Wahlen in den drei Ober­land-Gemein­den Plaf­feien, Ober­schrot und Zumholz sowohl Gewin­ner wie auch Ver­lier­er geben wird. Neun Sitze galt es zu beset­zen, 22 Kan­di­dierende sind zur Wahl ange­treten. Klar war auch, dass einige bish­erige Amtsin­hab­erin­nen und -inhab­er nicht mehr gewählt wer­den, da die Anzahl Sitze pro Wahlkreis, also pro Fusion­spart­ner, zum Vorhere­in fest­standen. Mit dieser Kon­stel­la­tion war die Aus­gangslage span­nend, die Stimm­bürg­erin­nen und Stimm­bürg­er hat­ten die Qual der Wahl.

Was bis zum gestri­gen Wahlt­ag eine wichtige Rolle spielte – näm­lich, wer mit welch­er Strate­gie antritt, um möglichst viele Stim­men zu gewin­nen –, muss aber spätestens am 1. Jan­u­ar 2017 in den Hin­ter­grund treten. Denn um die schwierige Auf­gabe eines Neustarts nach der Dreier­fu­sion zu meis­tern, braucht es einen Gemein­der­at, der die neue Gemeinde Plaf­feien mit vere­in­ten Kräften vor­wärts­bringt und sich bei strate­gisch wichti­gen Entschei­den einig ist. Parteige­plänkel oder Partikularinte­ressen haben bei der Bewäl­ti­gung dieser grossen Her­aus­forderun­gen keinen Platz. Vielmehr müssen die neun gewählten Gemein­deräte zeigen, dass Plaf­feien nicht nur auf dem Papi­er eine geeinte Gemeinde ist.

Wie es um die Kon­sens­fähigkeit inner­halb des Gremi­ums ste­ht, kön­nen die neun schon bald unter Beweis stellen – dann näm­lich, wenn es um die Wahl des Ammanns geht. Diese Aus­marchung ist die erste Bewährung­sprobe für den neuen Gemein­der­at der neuen Gemeinde Plaf­feien.

Gemein­de­prä­sid­i­um:
Otto Lötsch­er möchte Ammann bleiben

Wer wird am 1. Jan­u­ar 2017 Syn­dic der neuen Gemeinde Plaf­feien? Otto Lötsch­er (Talschaft Schwarzsee), amtieren­der Syn­dic von Plaf­feien, würde dieses Amt gerne übernehmen. «Ich melde klar mein Inter­esse an. Aber der neue Gemein­der­at wird dies entschei­den», so Lötsch­er.

Mit Armin Jun­go (CVP, Ober­schrot) ist ein zweit­er amtieren­der Ammann Mit­glied des neuen Gemein­der­ats. Erhebt auch er Anspruch auf den Posten? «Diese Frage habe ich mir bis heute nicht gestellt», sagte er gestern den FN. Er werde dies CVP-intern und ratsin­tern disku­tieren müssen. «Ein wichtiger Fak­tor ist mein Arbeit­ge­ber.» Er arbeite heute in einem 90-Prozent-Pen­sum und müsste auf 60 Prozent reduzieren kön­nen, um den Syn­dic­posten ausüben zu kön­nen, so Jun­go. Ob dies möglich sei, wisse er nicht. Auch sein Parteikol­lege Daniel Bürdel will sich noch nicht konkret zur Syn­dic-Frage äussern. «Es wäre ver­früht, eine Aus­sage zu machen», sagt Bürdel und betont zugle­ich, dass Otto Lötsch­er klar das beste Resul­tat erzielt habe.

«Keine Macht­spiele»

«Das kann ich mir gut vorstellen», sagt Alfons Piller (SVP) auf die Frage, ob die SVP mit drei Sitzen im neuen Gemein­der­at Anspruch auf das Prä­sid­i­um erhebe. «Mäs­siges Tak­tieren ist ange­bracht, doch ich will keine Macht­spiele», präzisiert Piller. Ihm sei wichtig, dass tra­di­tionelle Werte weit­er­hin gel­ten. Die SVP werde die Syn­dic-Frage und das Vorge­hen inner­halb der Partei besprechen.
Fritz Zbinden, amtieren­der Vize-Ammann in Zumholz, erhebt keinen Anspruch auf das Amt, wie er den FN sagt.

Zahlen und Fak­ten:
Stimm­beteili­gung bei 40 bis 48 Prozent

In Plaf­feien lag die Stimm­beteili­gung bei den gestri­gen Gemein­der­atswahlen bei 45 Prozent, in Ober­schrot betrug sie 40 Prozent und in Zumholz 48 Prozent. Vor fast einem Jahr, am 27. Sep­tem­ber 2015, hat­ten die Stimm­bürg­er der drei Sense-Ober­land-Gemein­den mit 87,6 Prozent Ja-Stim­men-Anteil ein­er Fusion zuges­timmt. Sie tritt auf den 1. Jan­u­ar 2017 in Kraft. Die neue Gemeinde wird Plaf­feien heis­sen, rund 3600 Ein­wohn­er zählen und 66,3 Quadratk­ilo­me­ter umfassen. Der Steuer­fuss wird 98 Rap­pen pro Franken Kan­ton­ss­teuer für natür­liche Per­so­n­en betra­gen und 93 Rap­pen für juris­tis­che Per­so­n­en, die Liegen­schaftss­teuer drei Promille. Zugun­sten des kle­in­sten Part­ners Zumholz verzichtete Plaf­feien auf einen fün­ften Sitz im neuen Gemein­der­at. Dem Ja zur Fusion war ein langer Prozess voraus­ge­gan­gen: Der Ver­such, fünf Gemein­den im Sense-Ober­land zu fusion­ieren, ist 2015 gescheit­ert, weil Plas­selb und Brünis­ried Nein zur Fusion gesagt haben.

Autor: Imel­da Ruffieux

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